Universitätssiegel
Mitarbeiter

Dr. Bertil Mächtle
Prof. Dr. Thomas Meier (Universität Heidelberg, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie)
Dr. Ingmar Holzhauer
Janine Lange
Arjan Conijn

 
Laufzeit

Oktober 2015 – Oktober 2018

 
Finanzierung

Thyssen

 
Heidelberg Center for the Environment

HCE

 

Forschungsprojekt

Rheinstromkarte bei Mechtersheim

Ausschnitt der Rheinstromkarte von Wilhelm Besserer aus dem Jahr 1595. Die Ortsflur von Mechtersheim (oben) wird durch einen Damm gegen den Rhein geschützt.

Land unter? – Hochwasser und Hochwasserschutzmaßnahmen am Oberrhein zwischen dem frühen und hohen Mittelalter

Das interdisziplinäre Projekt Land unter?, das von der Thyssen Stiftung finanziert wird, soll für den Oberrhein zwischen Straßburg/ Kehl und Mannheim/ Ludwigshafen eine regionale Geschichte der Hochwasser und Hochwasserschutzmaßnahmen auf Grundlage archäologischer und geomorphologischer Untersuchungen erarbeiten. Die Ergebnisse sollen mit anderen Regionen, vor allem in Westeuropa, abgeglichen werden.

Schnitt Speyer

Abb. 1: West-Ost Schnitt durch die Ablagerungen im Speyer Domgarten (© Carsten Zube).

Im Mittelpunkt steht der Versuch, potenzielle frühe Deichlinien zu identifizieren und im Gelände zu lokalisieren. In einem multimethodischen Ansatz möchte das Team nicht nur Aufbau und Datierung der Deiche klären, sondern auch Entstehungszusammenhänge und Wirkungsweisen im Kontext mit Hochwassersedimenten rekonstruieren.

In Speyer hat das Team inzwischen am Eselsdamm und im Domgarten Untersuchungen zu Deichen durchgeführt, die angeblich im späten 11. Jh. angelegt worden sein sollen. Doch der Eselsdamm datiert erst in die Neuzeit, wohl um 1700. Im Domgarten hingegen fanden sich von den gewaltigen Steinmassen, die Benno II. von Osnabrück dort zum Schutz des Domes vor dem Rhein aufgeschüttet haben soll, bislang keine Spuren (Abb. 1).

Doch die kombinierte Auswertung historischer, geomorphologischer und topographischer Karten hat bereits weitere Verdachtslinien ergeben, die nun mit geoarchäologischen und historischen Methoden untersucht werden.

Schnitt Speyer

Abb. 2: Die topographische Karte von 1878 verzeichnet südlich von Mechtersheim zwei Dämme und eine Wegeführung, die dem Damm auf der Ansicht von 1595 entsprechen könnten.

So zeigt die älteste Karte des Oberrheins aus dem Jahr 1595 eine Deichlinie bei Mechtersheim (Abb. oben). Doch wo liegt dieser Deich heute im Gelände? Die topographische Karte von 1878 (Abb. 2) lässt drei oder mehr Linien erkennen, die in Frage kommen. Die Kombination von LiDAR-Daten, archivalischen Quellen und Bodenuntersuchungen soll nun hier wie auch an anderen Orten weiterhelfen, diese Deiche zu datieren und ihren Zusammenhang mit Hochwasser und der Flussdynamik zu verstehen.

Zwar erscheint es uns heute aufgrund der großen Schäden und Gefahren selbstverständlich, dass Hochwasser schon immer als Problem wahrgenommen wurden – aber war das wirklich so? Immerhin ist Hochwasserschutz in Form von Deichen in Westeuropa nicht wesentlich vor dem 11. Jahrhundert nachgewiesen.

Führten die Flüsse vor dem Mittelalter also gar kein Hochwasser? Immerhin sind Frequenz und Magnitude des Hochwassers vom regionalen Klima und der Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung abhängig, wir können also nicht von heutigen Verhältnissen ausgehen.

Aber auch die kulturelle Wahrnehmung könnte sich geändert haben: wurde Hochwasser erst zum Problem, als man immer mehr Kapital (Getreidefelder, Hausbauten und Einrichtungen etc.) in den Flussauen akkumulierte?

Und wann erlaubte es das Naturverständnis, Katastrophen nicht mehr als Ausdruck des göttlichen Willens hinzunehmen, sondern als Herausforderung zu verstehen, die Natur zu formen und zu kontrollieren?

Projektfilm

Tagungen/ Vorträge
  • Arkum Tagung 21.-24. September 2016 in Bad Wildbad zum Thema Orte und Landschaften der Muße, Freizeit und Erholung
  • Workshop Hochwasser, Hochwasserwahrnehmung und Hochwasserschutz am mittelalterlichen Oberrhein in Heidelberg 17.-19. November 2016
  • Tagung Inland Harbours in Central Europe: Hubs between Northern Europe and the Mediterranean 1.-2. Dezember 2016 in Dijon.
Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 16.11.2016
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