Universitätssiegel
Projekt
Förderung: Innovations- und Qualitätsfonds (IQF) des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
 
Mitarbeitende
Studierende der Geographie und Soziologie
Ulrike Gerhard
Editha Marquardt
Michael Hölscher
 

Forschungsprojekte

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Willkommen in der Wissenschaft – studentische Forschungsprojekte zur interdisziplinären Stadtforschung

Im Rahmen des zweisemestrigen Seminars Interdisziplinäre Stadtforschung führten zwölf Studierende aus den Bachelorstudiengängen Geographie und Soziologie im Sommersemester 2014 gemeinsam zwei eigenständige Forschungsprojekte zum Thema „Wissen schafft Stadt“ durch. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Gerhard, Dr. Editha Marquardt und Dr. Michael Hölscher waren sie bereits ein Semester zuvor entscheidend in die thematische und Inhaltliche Planung der Lehrveranstaltung eingebunden. Ermöglicht wurde das Projekt durch Fördermittel aus dem Innovations- und Qualitätsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Die Universität Heidelberg erfährt aus dem Fond Unterstützung bei der Entwicklung und Implementierung von Lehrkonzepten, die neue Formen des Zugangs zu Forschungsprozessen ermöglichen. Ziel ist es, die eigene Forschungsstärke in noch höherem Maße auf die Lehre zu übertragen. Universitätsweit wurden nach erfolgreichem Abschluss eines Antragsverfahrens Projekte gefördert, die Studierenden bereits zu Beginn ihres Studiums praxisnahe Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten ermöglichen.

Titelbild

TeilnehmerInnen der Exkursion zur Studierendenkonferenz in Bochum

Als solches räumte das Seminar Interdisziplinäre Stadtforschung den TeilnehmerInnen von Beginn an ein entscheidendes Mitspracherecht bei der Entwicklung der Fragestellung und der Auswahl der Forschungsmethoden ein. Von Anfang an war die Lehrveranstaltung als Kooperation zwischen dem Geographischen Institut und dem Institut für Soziologie bewusst interdisziplinär konzipiert. Dabei wurde mit dem Motto Wissen schafft Stadt ein Rahmen gewählt, der eine breite Annäherung durch anwendungs-orientierte Forschungsansätze zuließ. Das Thema orientierte sich an der Internationalen Bauausstellung Heidelberg (IBA), die als Stadtplanungsprozess in den nächsten Jahren Konzepte der modernen europäischen Wissensstadt entwickeln und umsetzen will. Beide Institute ergänzten damit die bereits in ihren Curricula vorhandenen Projektseminare der Methodenausbildung um einen interdisziplinären und praxisnahen Forschungseinstieg, der Motivation und wissenschaftliche Neugier bereits früh im Studium wecken soll.

Der erste Teil des Seminars, der am Campus Bergheim stattfand, widmete sich zunächst der gemeinsamen Herausarbeitung des thematischen Kontextes der Forschungsprojekte. Die Vermittlung wichtiger theoretischer Grundlagen mündete in die Präzisierung von Fragestellungen, die dann in den beiden späteren Forschungsgruppen umgesetzt wurden. Unterstützt durch Gastbeiträge und sich gegenseitig ergänzend erarbeiteten beide Gruppen ihre Forschungsfragen und –designs. Eine ausführliche Projektplanung bildete den Abschluss des ersten Projektabschnitts.

Das folgende Semester bildete schließlich den Zugang zur Empirie: Parallel zur Erstellung der Fragebögen und ersten Pretests fanden Schulungen zu SPSS und Forschungsplanung statt. Beide Forschungsgruppen führten ihre Erhebungen wie auch die Datenauswertungen in professioneller Eigenverantwortlichkeit durch. Das Ergebnis bilden zwei Forschungsberichte, die sie auf der Studierendenkonferenz in Bochum mit größtem Erfolg vorstellten. Unterstützung erhielt das Seminar durch Dietmar Chur vom Hochschuldidaktischen Zentrum, der in zwei Workshops Input zu Projektmanagement, Teamarbeit und Präsentationstechniken einbrachte.

Das erste Forschungsprojekt trägt den Titel Hochqualifizierte MigrantInnen in Heidelberg und analysiert die Faktoren für eine dauerhafte Inklusion dieser Gruppe in die Stadtgesellschaft Heidelbergs. Es setzt an der Auffassung an, dass Wissen die bedeutendste Ressource im globalen Wettbewerb von Städten darstellt. Wissen ist in hohem Maße an Personen gebunden, die damit zu einem Motor der modernen Wissensgesellschaft avancieren. Heidelberg nimmt durch seine lange Tradition als Universitätsstadt und mit einer überdurchschnittlich hohen Zahl hochqualifizierter MigrantInnen die Funktion eines herausragenden Wissensstandortes ein. Das Forschungsprojekt stellt zum einen die Migrationsmotive und -absichten der Hochqualifizierten dar und zeigt andererseits, wie Heidelberg als Wissensstandort für einen dauerhaften Aufenthalt der MigrantInnen attraktiv wirkt. Es fokussiert auf die gesellschaftliche und städtische Inklusion von Hochqualifizierten in Heidelberg und arbeitet Möglichkeiten heraus, sie mit Hilfe integrativer Stadtentwicklung längerfristig in Heidelberg zu halten.

Das zweite Projekt MigrantInnen in Heidelberg – Die Bedeutung von Vereinen im Integrationsprozess betrachtet Integration nicht nur als eine einseitige ethnisch-kulturelle Anpassung der MigrantInnen in die Aufnahmegesellschaft, sondern verdeutlicht ihre Bedeutung als multidimensionaler wie auch wechselseitiger Prozess. In ihm wird Integration dahingehend analysiert, ihr Ziel in der Ermöglichung einer gleichberechtigten Teilhabe der Zuwanderer am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben bei gleichzeitiger Wahrung der kulturellen Vielfalt herauszustellen. Die Grundlage der Analyse bildet die empirische Untersuchung von Vereinen.

In den modernen Zivilgesellschaften bieten sie als eine verbreitete Organisationsformen ein großes integratives Potenzial, das bisher in der Literatur jedoch nur kaum weitergehend datengestützt untersucht wurde. Das Projekt stellt empiriebasiert dar, welche Bedeutung Vereine für die Integration von MigrantInnen in Heidelberg aufweisen.

Stadtrundgang

Stadtrundgang während der Exkursion in Bochum

Die Ergebnisse beider Projekte wurden auf einer Studierendenkonferenz an der Universität Bochum, die zusammen mit einer Seminargruppe des dortigen geographischen Instituts abgehalten wurde, präsentiert. Durch das Vortragen außerhalb der eigenen Forschungsgruppe erhielten die Präsentationen eine neue Qualität. Außerhalb wurden die Ergebnisse der Stadt Heidelberg zur Verfügung gestellt.

In beiden Projekten wurde somit der gesamte empirische Forschungsprozess durchlaufen, angefangen bei der eigenständigen Erarbeitung einer Fragestellung, über das Design der Studie und ihrer Erhebungsinstrumente bis hin zur Datenaufbereitung und Präsentation. In diesem Sinne bildete die Exkursion zur Studierendenkonferenz den würdigen Abschluss eines ersten wichtigen Meilensteins des Einstieges in die Wissenschaft.

Herzlich willkommen!

Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 03.01.2017
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