Universitätssiegel
Kurt Hiehle

Die Kurt-Hiehle-Stiftung

Seit den 1960er Jahren besteht für Studierende am Geographischen Institut der Universität Heidelberg die Chance, finanzielle Zuwendungen aus der Kurt-Hiehle-Stiftung zu erhalten. Die Stiftung verwendet ihr Vermögen zur Förderung begabter Geographiestudenten (aus der Satzung).

Gefördert werden insbesondere die Durchführung von Auslandreisen und Untersuchungen im Rahmen von Qualifikationsarbeiten (Bachelor, Master, Staatsexamen, Promotion), die Drucklegung sehr guter Dissertationsergebnisse, die Veröffentlichung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften, die Teilnahme an Fachtagungen im Zuge der Abschlussarbeit sowie Kurse, die im Zusammenhang mit der Abschlussarbeit stehen.

Antragsverfahren

Studierende richten ihre Anträge an den Geschäftsführenden Direktor des Geographischen Instituts. Das Direktorium des Instituts entscheidet über die Förderung der Anträge. Die Sitzungen finden mindestens einmal pro Semester statt.

Wann kann ich einen Antrag stellen?

Promotionsarbeiten können schon während ihrer Entstehung bezuschusst werden, alle übrigen Abschlussarbeiten müssen bei Antragsstellung bereits mit 2,0 oder besser benotet worden sein. Die Stiftung fördert nur bereits entstandene und belegbare Kosten und nicht etwa geplante Ausgaben. Die Stiftung behält sich vor, befürwortete Anträge anteilig zu unterstützen. Weitere Informationen

Was ist ein vollständiger Antrag?

Studierende beachten bitte, dass nur vollständige Anträge bearbeitet werden. Nutzen Sie daher bitte zur Antragsstellung die nachfolgenden Antragsformulare und legen Sie dem Antrag Original-Belege bei. Antragsteller, die bereits Zuwendungen aus der Kurt-Hiehle-Stiftung erhalten haben, füllen bitte auch die Anlage Historie aus.

Antragsvorlagen

Historischer Rückblick auf den Stifter Kurt Hiehle

Kurt Hiehle wurde am 15.August 1882 als Sohn eines deutschen Ingenieurs im damals russischen Riga/Lettland geboren und besuchte die Schule in Moskau. Sein Studium am Polytechnikum in Riga musste er im Revolutionsjahr 1905 wegen seiner Betätigung in revolutionären Studentenverbindungen abbrechen und beendete es an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, heute TU. Seit 1907 arbeitete er erst als Konstrukteur, dann als Direktor, mit an der Entwicklung von Motoren für Schiffe, Flugzeuge, Schlepper, Werkzeugmaschinen u.a. bei M.A.N., B.M.W. und anderen großen Firmen. Als Direktor bemühte er sich um den Absatz schwerer Schlepper in der Landwirtschaft in der Sowjetunion. Ab 1926 bereiste er in 18 Monaten bevorzugt semiaride Gebiete in Nordafrika, Indien, Indonesien und Japan unter dem Aspekt des Einsatzes landwirtschaftlicher Maschinen. Diese Erfahrung ließ ihn die große Bedeutung länderkundlicher Kenntnisse - insbesondere von Trockengebieten - für die Praxis erkennen. Sein Lieblingsthema war die Bedeutung des Tau-Niederschlages für den Pflanzenwuchs. Da es in den ersten Jahren nach 1945 sehr kostspielig war, ins Ausland zu reisen, wollte Kurt Hiehle unter anderem die Auslanderfahrung bei Studierenden der Geographie ermöglichen. Heute fördert die Stiftung daneben gleichberechtigt geographisches Arbeiten, die zu guten Ergebnissen führen.

Schon 1937 zog sich Hiehle aus der praktischen Tätigkeit zurück, um sich der Ausarbeitung verschiedener wissenschaftlicher Ideen zu widmen, die sich bei mir im Laufe meines Lebens angesammelt hatten. Seine Berufung 1929 in den Aufsichtsrat der heutigen Heidelberger Druckmaschinen AG (bis 1951) ermöglichte ihm nach der deutschen Teilung den Wechsel von Eisenach in der sowjetischen Besatzungszone nach Heidelberg. Bis 1959 veröffentlichte er hier 34 meist kleinere Beiträge zu technischen, klimatischen und auch Rechtschreibungsproblemen, denn 1956 wurde er in eine ministerielle Arbeitsgemeinschaft neue rechtschreibung berufen, die 1959 die Wiesbadener Empfehlung zur Rechtschreibregelung vorlegte; er selbst war ein Verfechter der Kleinschreibung.

Offenbar fühlte er sich als Mitglied des 1948 gegründeten Verein der Studenten und Förderer der Geographie an der Universität Heidelberg, dem Ursprung der heutigen Heidelberger Geographischen Gesellschaft sehr wohl, denn ihn erfreuten die Diskussionen der Vorträge und der gesellige Kontakt mit den Studierenden bei den Nachsitzungen in der Backmulde in der Schiffsgasse. Noch heute berichteten damalige Teilnehmer von den wissenschaftlichen Gesprächen mit ihm und dass er ihre Mitarbeit bei der Beschaffung der Literatur für seine Veröffentlichungen großzügig entgalt. Sie schildern ihn als einen exakt arbeitenden Menschen, der Realitätssinn mit Idealismus und Menschlichkeit verband. Kurt Hiehle starb plötzlich am 18.August 1960. Die von ihm vor 50 Jahren begründete, großzügige und zielgerichtete Stiftung hält bis heute die dankbare Erinnerung an ihn unter Geographen wach.

Mit seiner Stiftung wollte der erfolgreiche Dipl.-Ing. für Maschinenbau Kurt Hiehle seine Wertschätzung für das Fach Geographie und freundschaftliche Verbindung mit jungen Geographen bleibenden Ausdruck geben. Er hinterließ der Stiftung ein Mehrfamilienhaus an der Ecke Gaisbergstraße zur Zähringer Straße und seine Bibliothek dem Institut. Wegen der die Mieten aufzehrenden Instandhaltungskosten wurde dieses denkmalgeschützte Gebäude mit blattgoldverzierter Jugendstil-Fassade inzwischen von der Stiftungsverwaltung der Universität verkauft und das Vermögen wertbeständig angelegt. Über viele Jahre war auch ein Professor der Geographie in dem Stiftungsrat der Universität, der zahlreiche Vermächtnisse verwaltet.

© Werner Fricke auf der Grundlage von Fezer, F. und Fricke, W. (1982): Kurt-Hiehle-Festschrift. Heidelberger Geographische Arbeiten, Band 75.

Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 13.04.2016
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