Universitätssiegel
Projektlaufzeit
2018-2019
 
Finanzierung
vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.
 
Projektbeteiligte
 
Hilfskräfte
Nicolas Dornblüth
Lukas Pieroth
Julia Rheinheimer
 

Der Diskurs um die postmigrantische Gesellschaft – Erkenntnisse und Perspektiven für stadträumliche Integrationspolitiken

Im wissenschaftlichen Diskurs wurde jüngst der Begriff der postmigrantischen Gesellschaft aufgenommen. Hiermit wird der gängige Blick auf Migration und Integration herausgefordert, und durch kritische Reflexion bestehender Konzepte werden der Debatte zu diesem Thema neue Impulse gegeben. Das Kooperationsprojekt greift diese Diskussion auf und fragt, welche neuen Erfordernisse sich hieraus für Stadtentwicklungspolitiken und die Gestaltung lokaler Integrationsprozesse ergeben.

Das Projekt wird dafür in einem ersten Schritt diese postmigrantischen Perspektiven inhaltlich aufbereiten, anschließend sollen damit verbundene Konsequenzen erörtert werden. Hierbei gilt es in Betracht zu ziehen, dass Integration für Kommunen in Deutschland keine neue Aufgabe darstellt, insbesondere nicht für die größeren Städte. Vielerorts wurden in den letzten Jahren grundlegende Strukturen und Strategien entwickelt; Akteure aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft sind in diesem Aufgabenfeld aktiv. Hier stellt sich die Frage, wie diese lokalen Handlungsstrategien unter postmigrantischen Vorzeichen einzuordnen sind und inwiefern sich mit dieser Perspektive neue strategische Optionen für Stadtentwicklungspolitiken anbieten. Für das Projekt ist dabei auch der Kontext von Klein- und Mittelstädten interessant.

Im Rahmen des Projekts werden Abschlussarbeiten (jeweils Bachelor- und Masterarbeit an der Universität Heidelberg) gefördert. Kernstück der Projektkooperation ist zudem ein Workshop im Jahr 2019. Ergebnisse des Forschungsprojekts werden in zwei wissenschaftliche Publikationen überführt.

März 2019

Am 22. März 2019 veranstaltete der vhw gemeinsam mit dem Geographischen Institut der Universität Heidelberg einen Workshop im Rahmen des Forschungsprojektes „Der Diskurs um die postmigrantische Gesellschaft – Erkenntnisse und Perspektiven für stadträumliche Integrationspolitiken“. In der vhw-Bundesgeschäftsstelle in Berlin kamen Expertinnen und Experten aus den Bereichen städtische Verwaltung, Zivilgesellschaft und Forschung zusammen, um sich über Impulse postmigrantischen Denkens und Handelns für die Zukunft von Städten auszutauschen.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Erol Yildiz (Universität Innsbruck und Kuratorium des vhw) mit seinem Vortrag zu postmigrantischen Perspektiven auf Stadt, in dem er unter anderem verdeutlichte, dass Migration und Vielheit die alltägliche (stadt-)gesellschaftliche Normalität sind und für eine non-dualistische Sichtweise auf „die Menschen, die da sind“ argumentierte. Prof. Dr. Riem Spielhaus (Universität Göttingen) warb für das Irritationspotential des postmigrantischen Begriffes, der die Kritik ungleicher Repräsentation und das Aufbrechen bestehender Machtstrukturen ermögliche. Darauf aufbauend wurden in Fokusgruppen Ideen postmigrantischer Diskurse wie etwa „Die Geschichte und Gegenwart von Migration sind die Geschichte und Gegenwart aller, die in der Stadt leben“ und „Migration prägt den gesamten städtischen Sozialraum und migrationsgeprägte Quartiere gehören zum Selbstverständnis einer postmigrantischen Stadt“ von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausführlich auf ihre Relevanz und Umsetzbarkeit in Städten und Kommunen hin reflektiert.

In einer abschließenden Plenumsrunde ging es darum, zu diskutieren, welche Zukunft postmigrantische Impulse in Städten haben können und welcher Impulse und Veränderungen es bedarf, um Migration, Gesellschaft und Stadt neu zu denken. Dabei begrüßten einige die durch den Begriff „postmigrantisch“ hervorgerufene Irritation, die angesichts der fehlenden Repräsentation der Vielfalt der Gesellschaft in entscheidenden Machtpositionen dazu anrege, marginalisierende und rassistische Machtstrukturen sichtbar zu machen und zu destabilisieren. Kontrovers hinterfragt wurden auch vielgenutzte Differenzmarker wie „migrantisch“ und „nicht-migrantisch“, die zwar oft für zielgruppenspezifische Angebote verwendet werden – aus postmigrantischer Sicht aber als geradezu obsessives Festhalten an der Kategorie „Migration“ zu werten seien, das in Anbetracht der Normalität von Migrationserfahrungen für die Mehrheit der städtischen Biographien wenig Sinn mache. Als vielversprechende Alternative zur dualistischen Adressierung von Menschen in Städten wurden insbesondere sozialräumliche planerische Perspektiven wie zum Beispiel die Quartiersebene angeführt. Darüber hinaus wurde immer wieder die Notwendigkeit einer neuen Art des Kommunizierens betont, die nicht nur Mehrsprachigkeit auf allen Ebenen von Stadt fördert und umsetzt, sondern auch eine sensible, nicht-exkludierende Sprache für Themen rund um Migration starkmacht.

Die inhaltlichen Impulse aus dem Workshop sollen im Sinne eines intensiveren Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis nun dazu dienen, Netzwerke und Forschung für einen weiteren inhaltlichen Austausch rund um postmigrantische Perspektiven auf Stadt anzuregen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die aus dem Workshop entstandenen Ideen aktuell in einem Projektabschlussbericht verarbeitet, der Sommer 2019 in der Schriftenreihe des vhw erscheinen wird.

vhw/Geographisches Institut Heidelberg 2019

vhw/Geographisches Institut Heidelberg 2019

Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 26.04.2019
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